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4. Juli 2020 – Proteste gegen Infektionsschutzmaßnahmen

Wie in den Wochen zuvor protestieren einige hundert Demonstrant*innen unter ihnen extrem rechte Aktivist*innen von Pegida und AfD gegen die geltenden Infektionsschutzmaßnahmen. Rund 400 Personen finden sich am 4. Juli zu der Kundgebung auf dem Königsplatz ein. Auf einer Bühne treten bereits bekannte Aktivist*innen der vergangenen Proteste auf. Josef Dohrenbusch, ehemaliger Funktionär der christlich-fundamentalistischen Pius-Bruderschaft und Arzt, zweifelt die Tests auf das Covid-19-Virus an und bezeichnet die Infektionsschutzmaßnahmen als überzogen. Er fordert seine Zuhörer*innen auf, sich nicht testen zu lassen. Unter begeistertem Applaus ruft Dohrenbusch: „Lasst den Mund zu und lasst euch kein Wattestäbchen in die Nase schieben!“

Stephan Bergmann von der Gruppe „Peacecrowd“ aus Stuttgart leugnet in seiner stark esoterisch gefärbten Rede die Existenz des Coronavirus. Die Krankheit sei eine „Fantasie“, Bergmann spricht von „angeblichen“ Coronatoten. Auch die Todesfälle durch die Influenzaviren leugnet er. Es werde Bürger*innen zurzeit Angst gemacht, die Mund-Nasen-Schutzmasken trennten die Menschen. Anstatt sich auf „angebliche Virologie“ zu verlassen, fordert Bergmann sein Publikum auf, sich auf die spirituelle Seite des ihres Daseins zu konzentrieren, „ein Feuer anzuzünden und zusammenzusitzen“. Die Gruppe „Peacecrowd“ war mit einer eigenen Gruppe in roten T-Shirts auf der Kundgebung präsent.

Unangekündigt tritt auch der Berliner Organisator der ersten größeren Proteste gegen die Infektionsschutzmaßnahmen Anselm Lenz auf. Lenz inszeniert sich als Vorkämpfer gegen einen angeblichen „Neofeudalismus mit faschistischen Zügen“ in der Bundesrepublik, spricht von einer „De-facto-Gleichschaltung der Medien“ und macht Stimmung gegen antifaschistische Gegendemonstrant*innen. Musikalisch begleitet wird die Kundgebung von einer bayerischen Gesangsgruppe und dem Rapper Rin99er aus Lienz (Österreich).

Wie zuvor werden Journalist*innen, welche die Veranstaltung dokumentieren, von Teilnehmenden angepöbelt und angegriffen. Unter dem Druck der Angreifer*innen ist ein normales Arbeiten für die Medienvertreter*innen trotz der eingesetzen Polizeibeamt*innen oft nicht möglich. Obschon die Stimmung gegenüber den Medien und kritischen Stimmen feindselig ist, protestieren rund acht Gegendemonstrant*innen gegen die Kundgebung.

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